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| | | | | | | | Weihnachten ist ausgeschissen Neujahr aus dem Bett geschmissen
Der Herr Rausch
Rausch fühlte sich wohl an diesem Sommertag, an dem er den Turm auf der Anhöhe erreichte. Leichtfüßig begann er den Aufstieg der hundert Stufen. Den Tag über hatte er den Wein der Gegend genossen, seine Tütchen geraucht. Auch während er die Stufen hinaufstieg gönnte er sich einen Schluck aus dem Bocksbeutel. Auf der Hälfte des Aufstieges fühlte er sich mehr als beschwingt. Rausch war berauscht. Er hatte das Gefühl zu fliegen, nahm seine Umgebung durch geschärfte Sinne wahr. Im letzten Drittel verwandelte er sich in eine fliegende Kristallkugel. Nicht nur das durch die Facetten des Kristall gebündelte Licht durchflutete sein Gehirn. Kurze Zeit später nahm er die Gestalt eines in allen Farben des Regenbogen schillernden Schmetterlings an. Er jubelte, als er auf einem fliegenden Teppich die Aussichtsplattform des Turmes erreichte. Der Ausblick überwältigte ihn. Die Landschaft, der Himmel, das Licht, alles rief nach ihm. Er überwand die Brüstung des Turmes, fühlte sich als Adler und schwang sich in die Lüfte. Am Fuß des Turmes, wo der Rausch des Rausch endete, ungefähr da, wo sich die Mohnblumen ausbreiten, wurde eine Tafel angebracht. Der Genuss von Drogen während des Aufstieges gefährdet Ihre Gesundheit. Seltsamerweise sind die Mohnblumen bis heute nicht auszurotten gewesen, genauso wenig wie die Weinberge, trotz aller Bemühungen der besorgten Bürger der Gegend.
copyright Mike Ries
Gierig Gierich ---- sich in ineinander drehend, fallend, stürzend aufeinander.
Atemlos-- nach Leben japsend-- voll ängstlicher Wut nichts zu bekommen.
Umarmend-- was nicht umarmt werden kann. Verzweifelt haltend, was nicht zu halten ist.
Auf harten Dielen, den eigenen Schmerz zu spüren, die weichen Körper gepeinigt, das Ende fürchtend, alle Kraft verbrauchend, sich selbst zu fühlen.
Sie glühten-- rieben sich aneinander, versuchten ineinander zu kriechen.
Ihre Körper dehnten - wanden sich, pressten, saugten. Sie lösten sich, umschlangen sich noch fester. Sie seufzten, stöhnten, weinten, zitterten, schrien- küssten sich. Erst langsam, dann schneller, rasend--rasant wachsend, nicht aufzuhalten, alles auflösend, kam es ihm. Als ob er es nie erlebt hätte. Wie er es nie erlebt hatte. Es war einmalig. Jedes Mal.
copyright Mike Ries
Tschuldigung Tschuldigung
„Ich liebe Euch doch alle“. Tschuldigung, diese Verarschung war gestern. Das Leben ist schön. Wir lieben es, das Klima zu retten, den schönsten Sonnenuntergang zu sehen, und dafür den weitesten Flug zu buchen. Wir lieben es, Schnäppchen zu machen, überall, rund um die Uhr, und dafür den Müll zu trennen. Wir lieben es emphatisch, emotional, privat und öffentlich zu sein. Wir lieben begrünte Hinterhöfe, bepflanzte Baumscheiben, unser Eigentum in sanierten Häusern. Wir lieben unsere Kreativität, unsere Bildung, unser Studium, unser soziales Netzwerk, unsere Praktika und Smartphones, unsere Freiheit der Umhängetaschen, und tragen Nerdbrillen. Wir lieben es, to go, mit Latte, Club-Mate, oder was sonst so angesagt ist, in unserer schönen freien Zeit. Wir glauben an Nachhaltigkeit und kaufen unser Bio im Discount. Das Leben ist schön. Wir lieben uns doch alle. Tschuldigung, warum zum Teufel hab ich dann den Verdacht, schon wieder verarscht zu werden?
copyright Mike Ries
Schäume
Der Kanal ist voll abgesoffener Träume. Obwohl keiner rein springt, warten sie, wo keiner eintaucht, leuchtend, am schönsten, im Schlamm, auf Perlentaucher, im Dreck des Kanals, in der Mitte der Stadt, sich spiegelnd, im Wasser, als Schäume.
Endspiel
Jung sein, schön sein, nee, erfolgreich glücklich, alt sein.
Future
Geradeaus, grade raus, tag rein, tag raus, triebs der olle Klaus, zu Haus, allein. Aufsässig, bis dass der Kopf platzt. Eigene Wege sind zugewachsen, im Nebel der Zukunft, auf der Bank des Jobcenters, im Bauch der Stadt, als Arsch der Stadt, solange es dem Himmel graut.
Balina
ick bin een balina du ne balina flanze mir fressen sie an sylvester dir det janze jahr
copyright Mike Ries
Possibility
Ist das die possibiliti, du hier, mit hollyfood. Det gloob ick nich, du frisst ne Currywust. Mitten uffm T-Damm. Mit Fritten, rot weiß. Wo warste denn? Ick hab dir vermisst. Ick hab ne possibiliti gesucht dir wieder zu treffen und jetzt frisst du Currywurst am T-Damm. Aleene, ohne mir. Darf ick dir einladen? Ja bitte, Süßi. Mit Fritten? Ja, Süßi, rot weiß, Süßi. Wo warste denn, ick bin ganz hibbelig dir hier zu sehn. Iss man schön, is gut gegen Nervenfieber. Ja Süßi, wo warste denn? Ich war denn mal weg. Kenn ick, muss ick ooch mal wieder. Soll ick dir mitnehmen? Echt? Das wär echt geil, Süßi. Haste ne possibiliti? Süßi?
Det regt ma uff, Süßi. Du wolltest mir mitnehm. Mal weg. Jetzt sitz ick hier bei dir und wart auf ne possibiliti. Lass man gut sein, dat wird schon. Lass uns mal ne Currywurst am T-Damm nehmen. Gut Süßi, ick lieb dir ja, und wart auf die possibiliti. Ist doch schön mit uns, hier bei mir. Ja Süßi, schön hier, hier bei dir. Was wollte dein Ex denn von Dir? Mir einladen, aufn Kaffee, wollte der. Det gloob ich nicht. Was gloobste nich? An die Wäsche wollte der dir. Meenste? Ha, der sucht wohl och ne possibiliti.
copyright Mike Ries
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